Donnerstag, 8. Dezember 2016

Kinderschauspielplatz des Grauens

2. Advent auf dem Kinderspielplatz. 
Hedda greift sich eine rote Backform, um mir ein leckeres Vanillehörnchen zu backen. Ich denke an ehrlichen Döner und heuchle Genuss bei Sandgebäck.

In diesem Moment fängt ein Kind an zu schreien. Ohrenbetäubend.
Eine Mutter kommt angelaufen und ruft, dass der Oskar das nicht mag, wenn er sein Spielzeug teilen muss. Sie lächelt dämlich milde.
Oskar steht vor mir und heult.

Verpiss Dich, denke ich. Und nimm Deine hässliche Backform mit.
Mutter, Backform und Oskar entfernen sich wieder. Oskar flennt immer noch.
Spontan fällt mir ein: ...die Scheiße kann man eh nicht essen!
Hoffentlich hat es Oskar trotz Gekreische gehört.
Die Mutter guckt mich an.
Ich kämpfe mit mir. Ich würde gerne noch brüllen.
Sowas wie..., dass..., dass es den Weihnachtsmann nicht gibt.
Oskar hinkt der Mutter ohnehin etwas hinterher, ich muss die Gelegenheit nutzen. 
Ich flüstere ihm zu, bluffe bedauernd:
Der Weihnachtsmann ist für Dich leider gestorben.

Leider.

Hedda tippt mich an.
Ihre Augen sind medizinballgroß, die Pupillen weiten sich, keine Regenbogenhaut mehr zu sehen. Tränen: Pfützen. Bäche. Meere.
Weihnamann TOT???
Scheiße.
Noch beim Schlafengehen erkläre ich, dass der Weihnachtsmann zwar tot sei – 
aber im Himmel und da guckt er runter auf Dich und passt auf.
Und dass es da noch Santa Clause gibt. Der übernimmt das jetzt alles.

Damit öffne ich das Tor zur Hölle und feiere ab jetzt auch Halloween.

Freitag, 2. Dezember 2016

„Schnuller abgewöhnt + Folgen“


Die letzten beiden Jahre waren gute Jahre.
(...)
Das ist vorbei.

Gerade tippe ich bei Google: „Nuckel abgewöhnt + Folgen“.
Ich bin kein Idiot, ich kenne die Folgen. Ich erlebe sie hautnah.
Die letzten beiden Wochen habe ich keine Nacht länger als drei Stunden geschlafen.

Ich bin der Maschinist. Nur ein bisschen anders vielleicht.
Der Maschinist hat abgenommen, mir setzt das Ganze nur zu.
Meine unfreiwillig gewonnene Zeit kann ich nicht nutzen. Klar.
Von 19 bis 22 Uhr bin ich dazu verdammt neben Hedda zu liegen. Wach. 
Wie ein taubstummer Fisch starre ich in die Dunkelheit und träume von besseren Zeiten.
Zwischendurch werde ich fertig gemacht:
Mami, dreh Dich um...
Eeey, wach wieder auf...
Mami, dreh Dich nochmal um...
Neben mir liegt die kleine Hitlerin.

Dazu gekommen ist etwas, das sich Nachtschreck nennt. Als wäre alles nicht schrecklich genug.
Ein traumatisiertes Verhalten auf den überraschenden Verlust:
Der Nuckel-entzug war kalt. Ich habe den Nuckel verloren. 
Aus der zäh lamentierten Geschichte Bald holen die Weihnachtsmänner den Nuckel ab, wurde Die Weihnachtsmänner waren spontan da und haben den Nuckel abgeholt.  
Dramaturgisch kein guter Schachzug. Der Epilog vor dem Showdown. Dumm. Total dumm.

Hedda leidet nun unter diesem sogenannten Nachtschreck. 
Sie verhält sich wütend – in einer Art schlafendem Wachzustand. 
Während Sie schläft, schreit sie mich an: Geh raus oder Lass mich in Ruhe oder so.
Ich würde am liebsten dasselbe zurückbrüllen.

Die Reaktion des Vaters ist oft die gleiche:
auch kreischend – Ich halte das nicht mehr aus, knallt er wie ein Irrer aus dem Bett erst gegen das Regal, dann gegen die Wand, dann gegen die Tür.
Dann ist er weg.
Ich denke über Entmündigung nach.

Morgen werde ich wieder googeln.
Auf Seite 3 finde ich ihn bestimmt. Den Hinweis, dass dieser Wahnsinn seine zeitlichen Grenzen kennt. Dass alles eine typische Phase ist, ein nötiges Entwicklungsstadium, der allmächtige Schub.

Und wenn nicht. Dann sind die Folgen nicht absehbar.