Donnerstag, 29. Januar 2015

Was Du kannst, kann ich nicht.

Ich sitze in Strumpfhose auf der Couch. Ohne Schlüpfer. Den habe ich irgendwie vergessen. Nicht auszudenken, wozu ich noch fähig wäre.

Vor meiner Couch läuft ein Weg direkt in die Freiheit.
Auf den Balkon. Zum Rauchen.
Kippchen und Weinchen. Mein Leben.
Mein Leben vor Heddi.

Ich sitze also auf der Couch. Eine Brust hängt aus dem BH, lieblos mit dem fleckigen Stilltuch abgedrückt, den ununterbrochenen Milchstrahl stoppend, um die Besudelung des Polsters zu verhindern. („Ist das Design oder besudelt?“)
Die andere Brust mit tauber Hand wegen taubem Arm sucht verzweifelt den Mund meines Babys, klatscht gegen die Nase, ins Auge und an die zugekniffenen Lippen. 
Sie will nicht trinken. Heddi will schreien.

Ich bin sicher, sie zerfetzt mir das Trommelfell. Das Geschrei ist so laut, dass Tränen in meine Augen treten – auch wenn mir noch nicht ganz zum Heulen ist. Meine Bandscheibe schmerzt.
Zumindest schmerzt bei diesem Lärm immer etwas an einer Stelle, an der ich sie vermuten würde. 
Druck steigt in meine Ohren. Das Trommelfell. Gleich platzt es. Gegendruck. Ich öffneden Mund zum Gähnen. Gegendruck hilft.

„Liebling, ich geh mal für ´n Kippchen.“
„Was?“ Ich habe es längst gehört, ich schinde nur Zeit, um sie ihm zu geben. Er soll die Situation bemerken, in der ich mich befinde und vor lauter Sensibilität in diesem Moment das Rauchen aufgeben.
(Und das Baby stillen. Aber dieser Gedanke führt zu nichts...)

„Ich rauch nur kurz eine. Bin gleich wieder da.“
Bist Du behämmert? Als ob die Zeit Deiner Abwesenheit meine aussichtslose Lage weiter verschlimmern könnte.
Mir ist egal, wo Du hingehst und wie lange – das Einzige, woran ich denke, ist, dass Du rauchen kannst. Und ich nicht.
Es ist der Neid auf Deine Freiheiten, der mich auffrisst.

Ich versuche mit gespielter Lockerheit in Dir ein Gefühl von Bewunderung zu wecken, das folglich in Mitleid münden muss (so in etwa: auch in diesem Moment versucht sie, Haltung zu bewahren...ach, immer will sie für andere die Starke sein...sie tut mir sehr leid...ich werde mir das Rauchen abgewöhnen...).

„Ja, Liebling – ich höre Dich ganz schlecht. Du gehst rauchen?! Ja. Ich halte hier die Stellung.“ Du bist draußen. Die Balkontür ist zugeknallt.

10 Minuten später auf Deinem Rückweg flötest Du wieder etwas in meine Richtung. Heddi ist gerade in meinem Arm eingeschlafen, vor Erschöpfung, hungrig.

„Schnauze. Sie schläft. Und ich kann Dich eh nicht mehr hören.“

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