Dienstag, 20. Januar 2015

Mutterweise.

Im Rückbildungskurs. Fröhliche Babys kugeln sich lachend von Bauch auf Rücken. Wieder zurück. Heben in entsprechender Lage den Kopf, grapschen sich den Schnuller, legen ihn hin, greifen wieder zu.

Ich gucke Heddi an. Meine Augen fragen: „Warum kannst Du das nicht?“ und schauen in
mich selbst hinein: „Was kann ich dafür?“
Blitzschnell sondiere ich innerlich die Möglichkeiten:
Ist Heddi vielleicht ein bisschen behindert? ...konnte ich das übersehen?
War es die Zigarette, schwanger? ...das Glas Wein???

Vorstellungsrunde. Verleugne ich das Kind, das da vor mir liegt? Behaupte, mich im Haus
geirrt zu haben? (Eigentlich wollte ich wirklich irgendwie in die Kneipe nebenan.) Verheimliche ich 1, 2 oder 3 Lebensmonate?

Der Tag startet mit Fragen.
Die Antwort ist erschütternd. Und folgt auf dem Fuße.

Hallo, ich bin Wiebke. Das ist Lotta. Sie ist 8 Monate alt.
Hallo! Wir sind Stephie und Emil. Emil ist jetzt 7 Monate.
Ich bin Sibylle. Ihr könnt mich Bille nennen. Das ist Finn. Er ist 9 Monate alt.
Hallo. Ich heiße Imke. Das ist Lotta und sie ist 9 Monate alt.

„Hallo. Sie ist dreieinhalb Monate.“

GOTT SEI DANK!

Die Panik ist wie weggeblasen.
An ihre Stelle tritt das Gefühl von Fassungslosigkeit.
Ich bin nicht in der Lage, ein dreimonatiges von einem 9 Monate alten Baby zu
unterscheiden.

Ich gucke nochmal. Ich mache mir nichts vor. Nee. Nix. Kein Unterschied. Die sehen alle
gleich aus. Mehr oder weniger schön, aber in einem Alter. Gesegnet eben mit unterschiedlichen Talenten.

In mir arbeitet es. Wofür fehlt mir sonst noch der Blick...?

Augenfarbe – braun (nicht mehr blau, denn blau sind ja alle Babyaugen am Anfang, weiß
ich). Atmet. Gesund sieht sie aus. Auch fröhlich.
Sie... Warte. Ein Mädchen? Ja.

GOTT SEI DANK! Ich habe mir immer ein Mädchen gewünscht.

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